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Making of Süße Stuten 7 – Die Porno-Comedy

D 2009. R;B: Daniel Hyan. K: Oliver Köppel. S: Uwe Zimmer. P: Lavalight Entertainment. D: Jakob Bieber, David Bredin, Jörg Buttgereit, Conny Dachs, Alexander Gregor, Daniel Hyan, Frank Jakob, Yvonne Kolle u.a.
57 Min. Epix ab 28.5.10

Sp: Deutsch (DD 2.0). Ut: keine. Bf: 1.33:1. Ex: Audiokommentar mit Jörg Buttgereit und Daniel Hyan, Interviews mit Jörg Buttgereit, Conny Dachs und Daniel Hyan (ca. 15 Min.), Outtakes (ca. 10 Min.), Deleted Scenes, Nicht verwendete Moodshots (ca. 3 Min.), Musikvideo Conny Dachs »Das Leben ist ein Pornofilm«, Trailer einer Folge von »MOABIT VICE« (ca. 5 Min.), Trailershow.

Schwanzus Longus

Von Carsten Tritt Bei der Mockumentary Making of Süße Stuten 7 handelte es sich ursprünglich um eine Webserie, deren 12 Folgen nunmehr hintereinandergeschnitten als DVD ihre Zweitauswertung finden; und somit ist die Veröffentlichung zunächst insofern zu loben, als daß sie das relativ neue Genre der fürs Internet produzierten Filme endlich auch für den Online-Dilletanten zugänglich macht. Allerdings ist durch die Form der Veröffentlichung auch bedingt, daß die Aneinanderreihung der etwa fünfminütigen Episoden natürlich keinen Erzählrhythmus im Rahmen des nun circa einstündigen Ergebnisses schaffen kann, sondern vielmehr etwas gleichmütig wirkt.

Making of Süße Stuten 7, das sich als Drehbericht zu einem Pornofilm gibt, ist als Webserie mit niedrigstem Budget erstellt; ob die tatsächlich etwas pornohafte Flutlichtausleuchtung daraus zu erklären ist, oder um die Bilder angesichts der ursprünglich angedachten Verbreitungsform selbst auf kleinen Handymonitoren noch erkennbar werden zu lassen, sei dahingestellt.

Was dabei präsentiert wird, ist streckenweise durchaus witzig, wenn auch nicht hochklassiger Humor. Als Parodie auf den DVD-Bonusmaterialwahn mit seinen eigens produzierten Selbstbeweihräucherungen funktioniert Daniel Hyans Serie allerdings ebenso wie auch als kritische Betrachtung der Pornobranche selbst; wenn etwa die Pornodarsteller sich in einer immergeilen Scheinwelt inszenieren, ist das genau das pseudoomnipotente Erscheinungsbild, welches Einrichtungen wie Sexmessen oder tatsächliche Porno-Making-ofs gerne vermitteln wollen. Hyam setzt dies in Kontrast mit einem ständigen Selbstbetrug seiner Protagonisten, etwa der Produzent, der sich als großer Macher sieht, dem aber selbst sein billiger Sexfilm aus dem Ruder läuft, oder der Hauptdarsteller, der inzwischen ohne kleine blaue Pillen zu keiner Erektion mehr kommt. Ein besonderer Glücksfall ist die Besetzung von Jörg Buttgereit als Pornoregisseur, der im Mockumentary-Interview äußerst professionell von der Detailverliebtheit seiner Inszenierung phrasiert, welche beim Dreh aber sofort einer ebenso professionellen Egalität weicht: Schließlich merke das doch kein Mensch, wenn die Hauptdarstellerin erst einen Landing Strip habe und dann plötzlich beim Szenenwechsel totalrasiert sei. Der auch privat für seine ausgesprochene Unaufgeregtheit bekannte Regisseur zieht so zurecht den größten Teil der Aufmerksamkeit auf sich, wobei der reale Buttgereit freilich im Gegensatz zu der von ihm dargestellten Filmfigur immer wieder dadurch auffällt, daß er seine eigenen Leistungen kleinredet, was ihn sympathisch macht, ihn aber für diejenige Vermarktungsrealität, welche hier persifliert wird, wohl untragbar machen würde. 2010-08-25 10:38

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