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Zwei himmlische Töchter

D 1978. R: Michael Pfleghar. B: Walter Kempley, Joseph Bonaduce. K: Wolfgang Peter Hassenstein. M: Heinz Kiessling. S: Claudia Travnecek. P: Bavaria. D: Ingrid Steeger, Iris Berben, Klaus Dahlen, Dieter Hildebrandt, Heinz Schubert u.a.
354 Min. EuroVideo ab 17.2.11

Sp: Deutsch (DD 2.0). Ut: keine. Bf: 1.33:1. Ex: keine.

Zwei Himmelhühner auf dem Weg nach Kölle

Von Carsten Tritt Bereits vor fünf Jahren erschien die DVD-Erstauflage von Zwei himmlische Töchter, damals verteilt auf drei DVD, und nun also die Taschenbuchausgabe, in der die sechs Folgen über die beiden eine Fluglinie betreibenden Revuegirls auf zwei DVD verteilt wurden.

Die Serie Zwei himmlische Töchter entstammt aus dem Klimbim-Umfeld, mit Personalüberschneidungen sowohl vor der Kamera (Steeger, zudem Gastauftritte von Volkmann, Augustinski, Jüssen, von Roell), als auch mit Michael Pfleghar als Hauptverantwortlichem hinter der Kamera. Die Drehbücher stammten zwar aus den USA (Kempley schrieb u.a. für Johnny Carson und für Happy Days), und vermutlich wird Pfleghar die himmlischen Töchter der ARD auch damals als amerikanisches Format schmackhaft gemacht haben; im Ergebnis merkt man von dem transkontinentalen Einfluß allerdings nichts, es herrscht urdeutscher Lustspielklamauk, der aufgrund seiner Einbindung in die dünnen Episodendrehbücher zumindest etwas zurückhaltender als Klimbim ausgefallen ist (das sich freilich auch schon auf Rowan & Martin’s Laugh-In als vermeintliches US-Vorbild berufen hat).

Rückblickend scheint es erstaunlich, daß diese Serie von einem nicht unwesentlichen Teil des Fernsehpublikums der 1970er Jahre tatsächlich als lustig empfunden wurde. Aber andererseits: Woher sollten die Leute es auch besser wissen, damals in der schweren Zeit, als es nur jene drei Sender gab, deren Errungenschaften im Bereich des Humoristischen selbst bis zum heutigen Tage recht übersichtlich ausfallen. Und selbst der (dereinst noch) anarchische Humor eines Otto Waalkes war eine jenseits der damaligen Bezahlprogramme (also Schallplatten) seltene Erscheinung. Eine Serie wie Zwei himmlische Töchter war eben das, was am nächsten da ran kam.

Steeger gibt hier erneut ihre Paraderolle mit jener bereits ihre Rolle in Klimbim prägenden naiv-lauten Sexualisierung. Eine aus heutiger Sicht zumindest genderhistorisch nicht völlig uninteressante Figur, zumal diese Art der Darstellung weiblicher Erotik inzwischen weitgehend ausgestorben scheint und allenfalls in einer rheinischen Tradition namens »Wieverfastelovend« ein letztes Refugium gefunden hat. Das Bedauerliche an Steegers insgesamt nicht unbeeindruckender Film- und Fernsehkarriere ist, daß sie nie wirklich der Schublade des blonden Dummchens entschlüpfen konnte und sogar im an sich ganz ansehnlichen großen Bellheim auf die Opferrolle beschränkt blieb. Vielleicht wäre es auch an der Zeit für sie, mal klarzustellen, daß die Sexfilme, die am Beginn ihrer Schauspiellaufbahn standen, gar nicht mal alle so schlecht waren, wie im Allgemeinen behauptet wird, und insbesondere ihre Arbeiten für Erwin C. Dietrich auch heute noch gut ansehbar sind, z.B. so was wie Ich - ein Groupie.

Iris Berben hat hingegen ein anderes Problem: Nachdem sie zuvor schon mit Vohrer, Thome, Lemke und in einer sehr guten Rolle auch für Corbucci gearbeitet hatte und sogar ihr »Stehaufmädchen« für Willi Bogner weitgehend überzeugen konnte, hat sie sichtliche Probleme beim Niveaulimbo, welches ihr Zwei himmlische Töchter abverlangt, mitzuhalten. Ihre Zweifel, was an den affektierten Bewegungen, die sie für Pfleghar vorzutanzen hat, witzig sein soll, mögen berechtigt sein, aber im Gegensatz zu Steeger sieht man ihr konsequent an, daß sie sich selbst hier Fehl am Platze fühlt. Zu ihrer Ehrenrettung ist allerdings zu vermerken, daß sie gut zehn Jahre später, bei Sketchup, ihre zweite Chance, im Schenkelklopfergenre zu agieren, weitaus überzeugender nutzte.

Insgesamt ist Zwei himmlische Töchter ein Relikt einer längst überholten Humortechnik, vergleichbar etwa einem umständlich formulierten Witz aus der Kaiserzeit: Interessant zu betrachten, aber sicher nichts, was man sich zur gemütlichen Abendunterhaltung heranziehen sollte. 2011-03-16 10:09

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