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Die letzte Lüge

D 2011. R,B: Jonas Grosch. K: Matthias Hofmeister. S: Christoph Lumpe. P: BuntFilm. D: Katharina Wackernagel, Sebastian Schwarz, Leander Lichti, Marie Burchard, Lenn Kudrjawizki, Anja Knauer, Carlos Val, Fritz Roth u.a.
75 Min. Lighthouse ab 15.4.11

Sp: Deutsch (DD 2.0). Ut: Deutsch, Englisch. Ex: Making of, Outtakes, Karaoke-Songs, Trailer.

Leider kein schlechter Porno

Von Sabine Weier Auf der Frage, ob der Mensch monogam sei oder nicht, wurde schon unzählige Male herumgekaut – mit Vorliebe in Komödien. Regisseur Jonas Grosch wollte eine Wiederholung der Wiederholung vermeiden und peppte sein neuestes Werk mit Genre-Elementen des Musicals und der Screwball-Komödie auf. Das ging leider daneben. Die letzte Lüge kaut abermals auf der ollen Kamelle herum, bringt keine neuen Ideen ins Spiel und hat längst nicht das Zeug zur Persiflage.

Lucy (Katharina Wackernagel) und Ole (Leander Lichti) sind ein Paar, Lucy hat aber eine Affäre mit Peter (Sebastian Schwarz) und Ole geht mit Ina (Marie Burchard) ins Bett. Keiner weiß von der Lüge des anderen und so bahnt sich eine kleine Katastrophe an, als es durch Zufall dazu kommt, daß alle gemeinsam das Osterwochenende auf dem Land verbringen. Der Stoff hätte geradewegs aus einem Drehbuchkurs kommen können, so retortenhaft sind die Rollen verteilt und die Wendepunkte gesetzt.

Bevor man Feuer für die Story fangen kann, hat man schon das Interesse verloren. Ein schlechter Witz jagt den nächsten und so kommt man gar nicht erst dazu, sich auf den Film einzulassen. Ähnlich geht es wohl auch den Protagonisten, die affektiert ihre Dialoge runterrasseln und sich an faden Slapstickeinlagen versuchen. Die Dramaturgie strampelt sich ab, immerhin läßt sich der Versuch ablesen, alle Register zu ziehen. In musikvideoartigen Songeinlagen, die irgendwo unmotiviert zwischen zwei Szenen auftauchen und keinerlei Mehrwert für die Handlung bieten, darf sich jeder mal zum Affen machen. Noch nicht einmal der Soundtrack mit Bands wie »The Busters« oder »Mardi Grass.BB« kann das Debakel retten. Und dann tauchen auch noch zwei Klempner auf, um irgendwelche philosophischen Gemeinplätze von sich zu lassen. Lustig wird der Film dann auch nicht durch Referenzen an schlechte Pornofilme: »Zum Glück habe ich meinen Pümpel immer dabei«. Schade, als schlechter Pornofilm wäre Die letzte Lüge vielleicht richtig gut geworden. Aber wer will diesen Leuten dabei zuschauen, wie sie unter blauem Himmel am Tisch sitzen und Eier bemalen?

Ob die monogame Liebe nun eine Lüge ist, ist letztendlich piepegal. Fazit des Films: Keiner will die Wahrheit wissen und keiner will sie sagen. Wesentlich kreativer als der Film selbst kommt seine Vermarktung daher, Kino- und DVD-Release erfolgten nahezu zeitgleich. Für den deutschen Markt ist das zwar innovativ, allerdings hätte es eine TV-Ausstrahlung in diesem Fall sicher auch getan. Mit dem Kinostart erschien noch ein Kochbuch, begleitet von Lesungen mit Hauptdarstellerin Katharina Wackernagel, die das Team während der Dreharbeiten bekochte. Die letzte Lüge bietet eben von allem ein bißchen zu viel, nur leider zu wenig Gutes. 2011-08-17 12:37

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