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Back to Politics

Ashley/Amber (USA 2011), Aterfödelsen (S 2010), Der freie Mensch (D 2002), Die amerikanische Botschaft oder Warum wir uns bewegen (D 2003), Eure Kinder werden so wie wir (D 2008), Für Elise (BRD 1982) u.a.
148 Min. Neue Visionen ab 5.8.11

Sp: Deutsch, Englisch, Polnisch, Schwedisch u.a. (DD 2.0). Ut: Deutsch, Englisch. Bf: 1,33:1 Widescreen u.a. Ex: Booklet.

Das alles und noch viel mehr

Von Oliver Baumgarten Christoph Schlingensief, der in einer verschneiten kleinstädtischen Fußgängerzone den Passanten barfüßig die Nationalhymne schräg auf der Trompete bläst; Jan Peters, der Grauzonenberufe wie Pfandsammler und Freier Reisebegleiter propagiert; Matthias Wermke, der aus reiner Freundlichkeit kostenfrei seine Dienste anbietet und dafür unverhohlenes Mißtrauen erntet; und schließlich Hugo Lilja, in dessen Filmwelt handzahme und lobotomierte Zombies für die Privilegierten die Drecksarbeit verrichten. Das alles und noch viel mehr haben die Herausgeber dieser äußerst kurzweiligen Kurzfilm-DVD, die KurzFilmAgentur Hamburg und good!movies, unter das Motto »Back to Politics: Keine politischen Filme machen – Filme politisch machen« gestellt.

Sieht so aber politischer Film aus? Nur so, möchte man antworten angesichts all der Verkündungs- und Erklärungspublizistik, die einem heute quer durch die Medien als Politisch verkauft wird, und angesichts all jener neuen digitalen Medien, deren so hartnäckig als demokratisch gerühmter Rückkanal dazu führt, daß nicht nur jeder zu allem eine Meinung hat, sondern sie auch überall unaufgefordert äußern kann. Denn das wahre Politische im Film und in der Kunst besteht weniger in der Meinungsäußerung als vielmehr in der Infragestellung, wie es Claus Löser im Begleitheft zur DVD so treffend ausdrückt. In der Infragestellung also und in dem Mut, sich einer offenen Situation zu stellen, besteht das Politische – und mit diesen Ansätzen nähern sich die zehn von Maike Mia Höhne kuratierten Kurzfilme auf performative, essayistische, dokumentarische oder fiktionale Art der Welt: Sie verschieben nur leicht die Perspektive und provozieren schon dadurch eine Auseinandersetzung, die durch Talk- Show-Mechanismen so pointiert kaum zu erreichen wären.

Wirklich wünschenswert wäre ein Erfolg dieser schönen Kompilation also nicht nur bei Kurzfilmfreunden, sondern vor allem auch im schulischen Bereich. Schauten und diskutierten wir gemeinsam mit Schülern solche Filme anstatt ausschließlich die gängige Unterhaltungsware, wäre doch schon viel erreicht. 2012-06-20 14:09

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #64.

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